Sparbuch – Totgesagte leben länger

Sparbuch – Totgesagte leben länger

Im Jahr 1818 wurde bei der neu gegründeten Stadtsparkasse Berlin das erste nachgewiesene Sparbuch ausgegeben. Sowohl für das eingezahlte Kapital als auch die Zinsen diente das Kommunalvermögen als Sicherheit. Das Guthaben durfte 300 Gulden (heute rund 4000 Euro) nicht übersteigen und war weder abtretbar noch verpfändbar. Seither durch(über)lebte das Sparbuch eine wechselvolle Geschichte und verlor im Laufe der Zeit mehr und mehr an Attraktivität. Obwohl immer wieder totgesagt, erlebt es aktuell trotz der extrem niedrigen Zinsen eine Renaissance.

Inhaltsverzeichnis

Sparbuch – Definition

Definiert wird das Sparbuch als Guthaben bei einem Kreditinstitut. Es handelt sich dabei um von einem Kreditinstitut angenommene Einlagen, die durch eine Urkunde, das sogenannte Sparbuch, als Spareinlagen gekennzeichnet sind. Die unbefristete Geldanlage dient dem Ansammeln von Vermögen und ist nicht für den Zahlungsverkehr oder Geschäftsbetrieb vorgesehen. Zivilrechtlich betrachtet sind Spareinlagen Darlehen, sodass das Bürgerliche Gesetzbuch § 488 Vertragstypische Pflichten beim Darlehensvertrag, greift, und deshalb die darlehensrechtlichen Formvorschriften, Fristen und Kündigungsregelungen gelten. Von vorneherein befristete Geldbeträge werden nicht als Spareinlagen betrachtet, ausgenommen davon sind Gelder, die aufgrund des Vermögensbildungsgesetzes fließen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Sparbuch und anderen Anlageformen?

Bei einer Legaldefinition handelt es sich um eine vom Gesetzgeber definierte Rechtsvorschrift, die festlegt, wie ein unspezifischer Rechtsbegriff zu verstehen ist. Die Legaldefinition besagt, unter welchen Bedingungen sich ein Sparbuch von anderen Anlageformen unterscheidet. Für das Sparbuch muss eine

  • Urkunde ausgestellt werden,
  • die Geldanlage für den Zahlungsverkehr gesperrt,
  • der Einzahlungszeitraum unbefristet und,
  • eine Kündigungsfrist von mindestens drei Monaten für die gesamte Einlage vereinbart sein.

Wer darf ein Sparbuch anlegen?

Als natürliche Person, Einzelfirma, gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Einrichtung, juristische Person des öffentlichen Rechts oder bei einem Personenzusammenschluss dürfen Sie ein Sparbuch eröffnen. Nicht zugelassen sind hingegen gemäß Kreditinstituts-Rechnungslegungsverordnung (RechKredV) § 21 IV Nr. 3 Genossenschaften, Kapitalgesellschaften, Personenhandelsgesellschaften sowie wirtschaftliche Vereine und ausländische Unternehmen mit vergleichbarer Rechtsform.

Wie werden Sparbücher verzinst?

Die Verzinsung der Geldanlage nehmen die Kreditinstitute in der Regel nachträglich, einmal pro Jahr, jeweils zum 31.12., vor und tragen sie bei Vorlage des Sparbuchs ein. Dafür müssen Sie nicht extra Anfang Januar zur Bank gehen, es genügt, wenn Sie bei Ihrem nächsten Bankbesuch das Sparbuch mitbringen. Im Kassenraum finden Sie einen Aushang mit den aktuell geltenden Zinssätzen. Entscheidend für die Gestaltung der Zinssätze ist die Dauer der vereinbarten Kündigungsfrist und nicht die Zeit der tatsächlichen Kapitalüberlassung. Je länger Sie die Laufzeit der Kündigungsfrist vereinbaren, desto höher sind bei den meisten Banken die Zinssätze.

Beispiel: Sie haben vor zehn Jahren ein Sparbuch eröffnet und zahlen monatlich 50 Euro darauf ein, die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt drei Monate, der Zinssatz ein Prozent. Nach zehn Jahren haben Sie 6.000 Euro eingezahlt und würden dafür insgesamt 311,33 Euro Zinsen erhalten. Vereinbaren Sie jedoch eine Kündigungsfrist von sechs Monaten, bekommen Sie 1,5 Prozent Zinsen. Auf die Laufzeit berechnet wären das 473,81 Euro, also 162,48 Euro mehr. Zahlen Sie 150 Euro pro Monat ein, erhalten Sie vom Kreditinstitut im Rahmen der gesetzlichen Kündigungsfrist von drei Monaten ebenfalls nur ein Prozent und bei sechs Monaten 1,5 Prozent. Nur die Sparsumme und damit der gesamte Sparbetrag inklusiver Zinszahlungen ändern sich, nicht die Zinssätze.

Was ist bei der Kündigung zu beachten?

Gemäß RechKredV § 21 IV Nr. müssen Spareinlagen eine Kündigungsfrist von mindestens drei Monaten aufweisen, um als Sparbuch anerkannt zu werden. Darüber hinaus können Sie jede beliebe Länge vereinbaren, üblich sind sechs, zwölf, 24 und 48 Monate. Legen Sie das Sparbuch zum Beispiel für ein Kind an, das erst an seinem 21. Geburtstag Verfügungsgewalt bekommen soll, ist die Vereinbarung einer solchen Kündigungssperre ebenfalls möglich. Grundsätzlich sind die Kreditinstitute bei der Vertragsgestaltung unter Beachtung der rechtlichen Bestimmungen frei. So ist es durchaus üblich, ein Teilauszahlungsrecht ohne Kündigung bis zu einem bestimmten Betrag zu vereinbaren. Allerdings sind dafür laut RechKredV § 21 IV Satz 2 ausschließlich für Sparverträge mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten zugelassen, der Abhebungsbetrag darf 2000 Euro pro Sparbuch und Kalendermonat nicht überschreiten. Heben Sie vor Ablauf der Kündigungsfrist mehr als die 2000 Euro bei einem Vertrag mit gesetzlicher Kündigungsfrist oder bei einem Vertragen ohne diesen „Freibetrag“ ab, müssen Sie an das Kreditinstitut eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen.