Die ESMA-Regeln: So geht die Trading-Welt damit um

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Die ESMA-Regeln: So geht die Trading-Welt damit um pixabay.com
(BFP) Der Handel mit Devisen, Wertpapieren und sonstigen Anlagen ist ein lukratives Geschäft. So mancher Bundesbürger hat durch clevere Investitionen sein Vermögen um ein Vielfaches vergrößert. Doch nicht jedem ist so ein Glück vorbehalten: Manche angehenden Trader geraten auch an zwielichtige Makler, die vor allem sich selbst an Trades bereichern und das Geld ihrer Kunden schamlos verpulvern. Wieder andere halten dem Nervenkitzel des Börsengeschäftes nicht stand und gehen ein leichtsinniges Geschäft nach dem anderen ein, sodass auch ihnen das Geld wie Sand durch die Finger rennt. Der Staat sieht deshalb im Aktiengeschäft ein Risiko für seine Bürger – und hat erst kürzlich eine neue Regelung eingeführt, die sie schützen soll. In Wirklichkeit vermiest sie vielen aber nur das Geschäft.

Was sind die ESMA-Regeln?

Die neuen Regeln der ESMA beziehen sich vor allem auf sogenannte CFDs, eine Abkürzung für Contract of Difference. Diese Differenzkontrakte zählen zu den Risikogeschäften, in denen sehr hohe Gewinne, aber eben auch hohe Verluste erzielt werden können. Geht ein Trader sie leichtfertig ein, enden sie möglicherweise sehr enttäuschend für ihn. Der Kerngedanke der neuen ESMA-Regeln ist, den Verbraucher vor diesem Risiko zu schützen. Das Problem ist nur, dass die Regelung Anleger eher bevormundet statt sie zu besseren Entscheidungen zu führen und zudem Produktinterventionen gebraucht, die ungleich verteilt und zudem völlig unnötig sind.

Doch die Regeln haben nicht nur schlechte Seiten. So befasst sich ein Teil der eingeführten Veränderungen auch damit, binäre Optionen endgültig zu verbieten. Diese Trading-Funktion fand bisher ihr Opfer vor allem in unerfahrenen Tradern, die sich von traumhaften Aussichten locken ließen – in Wirklichkeit war es aber viel wahrscheinlicher, dass sie ihr Vermögen verloren und die Banken gleichzeitig durch massiven Bankvorteil als Gewinner daraus hervorgingen. In diesem Fall lässt sich tatsächlich von Verbraucherschutz sprechen, denn derlei chancenarme Geschäfte sind nun ein Teil der Vergangenheit.

CFDs im Fokus: Die Änderungen im Detail

Vor allem das Trading für Privatpersonen hat sich durch die neuen Regeln verändert und angehende Trader müssen darauf achten, wenn sie ihr Trader Konto für Anfänger eröffnen. So wurde beispielsweise im Zuge der neuen Regelungen die Nachschusspflicht abgeschafft, was nun dazu führt, dass Broker und Banken zur absoluten Transparenz im Trading gezwungen sind. Aus Perspektive der Trader ist dies absolut lobenswert – mit klaren Informationen lässt sich eine wesentlich zuverlässigere Strategie ausarbeiten. Konkret bedeutete die Abschaffung der Nachschusspflicht auch, dass Broker ihre Hebel senkten. Wenn früher ein höherer Hebel für die Kundschaft sehr attraktiv war, so war das nach den neuen Regelungen einfach nicht mehr haltbar. Ein geringer Hebel ist demnach ein Zeichen für einen seriösen Broker.

Nun belässt es die ESMA allerdings nicht dabei, dass vertrauenswürdige Broker schon von selbst die Hebel senken werden und alle anderen sich durch zu hohe Hebel selbst als unseriös auszeichnen. Sie setzt selbst Hebelgrenzen fest, die so gering sind, dass sie ein sinnvolles Trading praktisch unterbinden. So sinkt der Hebel für den Index GER30 etwa auf 20:1, für Aktien-CFDs liegt er bei 5:1 und für Krypto-CFDs sogar bei nur mehr 2:1.

Die Folge: unfassbare Margins

Tradern, die sich auf CFDs und Futures spezialisiert haben, dürfte spätestens jetzt die Kinnlade herunterklappen. Denn durch die neue Regelung steigen die Margins bei beliebten CFDs wie denen des Bund-Futures auf bis zu 32.100 Euro. Inwiefern dies ein erfolgreiches Tradinggeschäft fördert und die Verbraucher schützt, ist vielen ein Rätsel. Das Einzige, woran die Trader sich nun noch festhalten können, ist die Tatsache, dass CFDs nun flexibel gestückelt werden können. Die gleichen Vorteile, wie man sie unter der alten Regelung erzielen konnte, bietet das aber nicht. Das Ziel der ESMA ist es, bestimmte Geschäfte so volatil aussehen zu lassen, dass sich Trader gar nicht erst darauf einlassen. Doch damit zerstört sie auch das positive Potential, das diesen Geschäften innewohnt.

Lästig, aber harmlos: Risiko-Hinweise

Zuletzt hat sich die ESMA noch eine Maßnahme einfallen lassen, die den Warnhinweisen auf Zigarettenschachteln gleicht. So sind Broker mittlerweile dazu verpflichtet, in ihrer Kommunikation mit Kunden stets – und dies meint wirklich jedes Mal – einen Hinweis auf mögliches Risiko zu geben. Neu dabei ist, dass dieser Risikohinweis auch eine Auskunft darüber enthalten muss, wie viele Konten innerhalb des vergangenen Jahres bei diesem Broker Verluste gemacht haben. Die Kunden sollen sich niemals in Sicherheit wiegen dürfen, ihnen muss praktisch ununterbrochen das Risiko ihrer Trading-Tätigkeit vor Augen gehalten werden. Dieser Maßnahme liegt im Prinzip ein nobler Gedanke zugrunde, denn selbstverständlich gibt es auch Trader, die nach ein paar Erfolgserlebnissen in einen Rausch verfallen. Der Mehrheit der Trader wird dies aber eher auf den Senkel gehen und ihren generellen Enthusiasmus gegenüber dem Trading mindern.

Ihrem eigenen Verständnis nach setzt sich die ESMA für den Verbraucherschutz ein – in der Realität gehen ihre Regelungen aber oft an den Bedürfnissen der Nutzer vorbei und verkomplizieren die Lage nur für beide Seiten. Auch deshalb gibt es bereits einige juristische und auch Underground-Bestrebungen, gegen die neuen Regeln vorzugehen.

Quelle: Redaktion / BFP

1 Kommentar

  • Marc

    Hallo,

    auch ich finde die Entscheidung der ESMA nicht richtig, wenn sich in der eigenen Umfrage mehr als 90% der Trader gegen niedriegere Hebel aussprechen.

    Trotzdem ist es meines Erachtens immer noch möglich, gewinnbringend zu handeln. Im DAX bspw. handelt man jetzt mit dem gleichen Hebel, den auch ein Hedgefonds im DAX-Future bekommt.

    Von daher ist die Einschränkung zwar blöd, aber wichtiger ist immer noch die Findung einer guten Strategie und die disziplinierte Umsetzung.

    Marc von Smart Markets

    Marc Freitag, 31. August 2018 16:26 Kommentar-Link

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